DDR Museum Mühltroff im Vogtland Land Sachsen

Sport in der DDR

Walter Ulbricht beim III. Deutschen Turn- und Sportfest in Leipzig 1959
Der Sport spielte in der DDR eine besondere Rolle. In Kindergärten und Schulen wurde systematisch auf die Ausbildung sportlicher Fitness hingearbeitet, einerseits aus Gründen der Volksgesundheit, aber auch bereits zum Zwecke der Talenteförderung und -sichtung für den Hochleistungssport, mit dem die DDR ihr internationales Renommee zu steigern bestrebt war. Die Ausbildung der Nachwuchstalente erfolgte in besonderen Sportschulen und später in Leistungszentren. Der Sportmedizinische Dienst der DDR war ein speziell eingerichtetes medizinisches Netzwerk.

Die Internationale Friedensfahrt führte ab 1952 auch durch die DDR und wurde von einem großen Publikums- und Medieninteresse begleitet
Gefördert wurde zum einen der Breitensport. Walter Ulbricht prägte den Satz: "Jedermann an jedem Ort, einmal in der Woche Sport", bei dem später das "einmal" durch "mehrmals" ersetzt wurde. Im Jahr 1988 gab es z. B. 10.674 Sportgemeinschaften mit fast 3,8 Millionen Aktiven, 159.006 Schieds- und Kampfrichter und 264.689 Übungsleiter. Es gab 330 Sportstadien und 1.220 Sportplätze. An den Kreis- und Bezirksspartakiaden nahmen 1988 insgesamt 1.064.000 Kinder und Jugendliche teil.

Die staatliche Führung förderte mit den Erfolgen im Leistungssport die Anerkennung der DDR sowohl in den Augen der eigenen Bevölkerung als auch international. Allein bei Olympischen Spielen errangen die DDR-Sportler 1968 in Mexiko 25 Medaillen, 1972 in München schon 66 und 1988 in Seoul 102 Medaillen. Von 1986 bis 1988 brachten sie 90 Weltmeister und 77 Europameister hervor. Daher setzte die DDR-Führung auch gezielt Doping ein, um die Ergebnisse zu steigern, und etablierte ab 1974 unter der Bezeichnung "Staatsplanthema 14.25" ein umfassendes Dopingsystem.

Sportabzeichen

Das Sportabzeichen wurde in der DDR ab 1950 verliehen. Die Leistungsanforderungen waren nach Altersgruppen gestuft und mussten vor allem in den Disziplinen Schwimmen, Laufen, Springen, Werfen, Stoßen und Geräteturnen innerhalb von 24 Monaten erbracht werden. Die Abstufung des Sportabzeichens in Gold, Silber und Bronze war mit unterschiedlich hohen Leistungsanforderungen verbunden.

Schwimmabzeichen

Das Schwimmabzeichen wurde in der DDR in drei Stufen vergeben. Zur Erfüllung der Forderung der Stufen 1 und 2 mussten Strecken ohne Zeitbegrenzung geschwommen werden. Für die Stufe 3 musste altersgestaffelt eine Mindestzeit erreicht werden.

Spitzensport

Nordisch-Kombinierte bei der IX. Kinder- und Jugendspartakiade 1983 in Oberhof
Zum Zweck der Förderung des Leistungssports hatten die Sportvereinigungen der DDR ab 1954 zahlreiche Sportclubs als Leistungszentren gegründet. Die in diesen speziell geförderten DDR-Sportler stellten eine im Vergleich zur Bevölkerung des Landes überproportionale Zahl von Europa- und Weltrekorden in vielen Sportarten auf, vor allem beim Schwimmen, in den Eis- und Wintersportarten, im Radsport, in der Leichtathletik und beim Gewichtheben.

Der große Erfolg der DDR-Sportler wird mit systematischer Sportförderung, die alle Schulen einbezog, erklärt. Die Wirksamkeit der Sportförderung in der DDR zeigt sich unter anderem auch daran, dass nach der Wiedervereinigung ein überproportionaler Anteil deutscher Sporterfolge von Sportlern errungen wurde, die in der DDR ausgebildet worden waren.

Die DDR förderte den Spitzensport unter anderem so intensiv, um durch die Erfolge das Selbstbewusstsein der DDR-Einwohner zu stärken, um internationales Prestige zu gewinnen und die Überlegenheit des Sozialismus zu demonstrieren. Spitzensportler waren zugleich "Diplomaten im Trainingsanzug". Im DDR-Spitzensport spielten auch Sportsoldaten eine herausragende Rolle. In den Sportklubs der Armeesportvereinigung Vorwärts (NVA) und der Sportvereinigung Dynamo (VP, MfS) trainierten Spitzensportler unter Profi-Bedingungen. Dank der intensiven Förderung kamen aus den Reihen der DDR-Sportsoldaten viele Sieger bei Europa- und Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen.

Straßenradrennen Berlin - Leipzig 1988
Sponsoring war in der DDR weitgehend unbekannt. Es gab jedoch zahlreiche Betriebssportgemeinschaften, die auch in kleineren Orten von den ansässigen Betrieben, Werken und Kombinaten finanziert und gefördert wurden. Eine der wenigen Ausnahmen für Sponsoring war der Radsport, wo auf italienische und englische Hilfe zurückgegriffen wurde. Firmen wie Colnago und Reynolds sponserten die DDR-Mannschaft wie heute Profiteams unterstützt werden, Campagnolo unterstützte DDR-Sportler wegen ihrer Erfolge bis nach der Wende.

Ungewöhnlich ist, dass bei vielen Sportarten auch Leistungssportler formal einem Betrieb angehörten und teilweise außerhalb der Saison tatsächlich in ihren Berufen arbeiteten. Ehemaligen Leistungssportlern wurde der Übergang in einen gewöhnlichen Beruf erleichtert. Die Preise für Spitzenleistungen und Medaillengewinne waren in der Regel nicht mit westdeutschen Maßstäben vergleichbar.

Internationale Meisterschaften

203 Olympia-Goldmedaillen gingen an die DDR, insgesamt 755 Olympiamedaillen. 768 Weltmeister und 747 Europameister sind DDR-Sportler.

Von 1956 bis 1964 nahmen DDR-Sportler im Rahmen einer gesamtdeutschen Mannschaft an den Olympischen Spielen teil. Diese trat unter der Olympiafahne mit Beethovens "Freude schöner Götterfunken" als Hymne an. Auf Beschluss des IOC durfte die DDR im Jahre 1968 unter der Bezeichnung Ost-Deutschland erstmals eine eigene Olympia-Mannschaft entsenden, allerdings wie gehabt unter gemeinsamer Fahne und Siegerhymne mit der bundesdeutschen Mannschaft. Ab 1972 starteten die DDR-Sportler mit der DDR-Fahne und DDR-Hymne.

Dopingproblematik

Für den sportlichen Erfolg nahm die DDR auch Opfer und gesundheitliche Dauerschäden in Kauf. Nach dem Zusammenbruch der DDR wurden Details über Doping bekannt. DDR-Leistungssportler wurden im Rahmen des unter der Bezeichnung "Staatsplanthema 14.25" staatlich organisierten Dopingprogramms teilweise ohne ihr Wissen von Trainern und Sportärzten gedopt. Besonders häufig wurde das vom VEB Jenapharm hergestellte Anabolikum "Oral-Turinabol" eingesetzt. Auch minderjährige Sportlerinnen und Sportler wurden unter Anwendung der "Legende Verabreichung von Vitaminen" ohne ihr Wissen gedopt. Insgesamt waren vom flächendeckenden Doping zwischen 10.000 und 12.000 Sportlerinnen und Sportler betroffen.

Die Staatsführung investierte jährlich rund fünf Millionen Mark in die Dopingforschung. Führend hierbei war das 600 Mitarbeiter starke Forschungsinstitut für Körperkultur und Sport (FKS). Dieses betrieb allein im Olympiazyklus 1984 bis 1988 21 Dopingforschungsprojekte. Prof. Dr. Hans Schuster, langjähriger Direktor des FKS, schätzte ein, "... daß ohne die Verabreichung von Anabolika die internationale Spitzenstellung nicht zu halten gewesen wäre".

Bei Opfern von DDR-Staatsdoping lassen sich überdurchschnittlich häufig Krebs- und Herzmuskelerkrankungen sowie Leber- und Skelettschäden feststellen. Dopingempfängerinnen haben zudem ein erhöhtes Risiko eine Fehlgeburt zu erleiden. Mitunter waren durch die übermäßige Hormonverabreichung sogar Geschlechtsumwandlungen erforderlich, wie im Fall Andreas Krieger. Sportwissenschaftler rechnen mit bis zu zwei Prozent auf Doping zurückzuführender Todesfälle und mit Spätschäden bei mindestens 1.000 gedopten DDR-Leistungssportlern. Ein 2002 verabschiedetes Dopingopfer-Hilfegesetz sprach 194 Dopingopfern eine Entschädigung in Höhe von 10.438 Euro zu. 2006 erhielten 167 Geschädigte eine Einmalzahlung in Höhe von 9.250 Euro zugesprochen. Für die Belange der Opfer engagiert sich die Doping-Opfer-Hilfe.

Im Jahr 2000 erhielten Manfred Ewald und Manfred Höppner Bewährungsstrafen in Höhe von 22 bzw. 18 Monaten wegen 142-facher Beihilfe zur Körperverletzung durch Doping bei minderjährigen Athleten. Der Verbandsarzt des Schwimmsport-Verbandes der DDR Lothar Kipke erhielt eine Freiheitsstrafe von 15 Monaten auf Bewährung. In der Regel blieb die Beteiligung am DDR-Staatsdoping jedoch juristisch folgenlos oder die Verfahren wurden wegen Geringfügigkeit gegen Geldzahlungen eingestellt. Auch nach 1990 waren in das DDR-Dopingsystem involvierte Trainer und Mediziner im bundesdeutschen Leistungssportbereich aktiv. Vereinzelt ließen Sportler wie Gesine Tettenborn ihre durch Doping erzielten Rekorde aus den Bestenlisten streichen.

Sportlerflucht

Diverse DDR-Sportler nutzten ihre Reisemöglichkeiten um die DDR dauerhaft zu verlassen. Im Zeitraum von 1952 bis 1989 zählte das MfS über 600 sogenannte "Sportverräter", die tatsächliche Zahl dürfte jedoch noch weit höher liegen. Im Falle einer erfolgreichen Flucht versuchte das MfS die Sportler durch Drohungen oder mit Hilfe von Verwandten zur Rückkehr zu bewegen. Gelang dies nicht, so wurden die Sportler in der staatliche kontrollierten Presse diskreditiert und gelegentlich aus offiziellen Besten- bzw. Medaillenlisten gestrichen oder aus Mannschaftsfotos retuschiert.

Quelle Wikipedia


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